Wir sind inspiriert von den historischen Protesten des Women’s March in den USA. Weltweit erstarken feministische Bewegungen wieder. Auch in Deutschland gibt es eine Vielzahl an geplanten feministischen Aktionen, insbesondere rund um den internationalen Frauenkampftag am 8. März 2017.

Wir wollen diese Aktionen sichtbar machen, uns vernetzen und uns mit den weltweiten feministischen Aktionen und Bewegungen solidarisieren!


Für die Leitgedanken dienten die Unity Principles des Women’s March als Vorbild. Die Leitgedanken verstehen sich als Basis des Netzwerks. Im nächsten Schritt sind die Bündnismitglieder dazu aufgerufen, ihre jeweils konkreten Forderungen, inhaltlichen Schwerpunkte und Perspektiven zu formulieren und im Blog zu veröffentlichen.

 

Hinweis: Damit alle Menschen gleichermaßen genannt und mitgedacht werden und um einen Raum für geschlechtliche Diversität zwischen/jenseits/außerhalb von „weiblich“ und „männlich“ sprachlich zum Ausdruck  bringen zu können, verwenden wir den Gender-Star, symbolisiert durch das [*]. Somit werden Menschen, die sich nicht in das binäre System von Geschlecht (Mann und Frau als einzige Option) einordnen können oder wollen, nicht weiter unsichtbar gemacht und sprachlich ausgegrenzt, wie z.B. viele trans*, inter* und/oder nicht-binäre Menschen. Außerdem schafft die Verwendung des  Gender-Star einen Raum für (Selbst-)Definitionen.


Leitgedanken

Wir sind überzeugt: Frauenrechte sind Menschenrechte und Menschenrechte sind Frauenrechte. Wir kämpfen also für eine Gesellschaft, in der alle Menschen – egal, welches Geschlecht, welche Hautfarbe, welcher Beruf, welches Einkommen, welche Herkunft, welche Religion, welche Fähigkeiten oder sexuelle Orientierung sie haben – ohne strukturelle Hindernisse frei, sicher und selbstbestimmt leben und für ihre (Wahl-)Familien sorgen können.

 

GEWALT BEENDEN

Alle Menschen haben ein Recht auf ein erfülltes und unversehrtes Leben. Wir setzen uns gegen jegliche Form von Gewalt gegen uns und unsere Körper ein. Es ist die Verantwortung der gesamten Gesellschaft, Frauen* und alle Menschen zu schützen, die besonders von Gewalt betroffen sind. Wir stellen uns gegen Polizeigewalt und Racial Profiling. Wir alle sind verpflichtet, gegen sexistisches, rassistisches, antisemitisches, antiromaistisches, behindertenfeindliches, antimuslimisches, klassistisches, bi-, trans-, inter- und homofeindliches Denken und Handeln in familiären und privaten Beziehungen, in der Gesellschaft und im Justizsystem vorzugehen. Die daraus resultierende Gewalt nehmen wir nicht hin.

 

REPRODUKTIVE RECHTE

Wir kämpfen für sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung. Wir akzeptieren keine Rückschritte oder Einschränkungen bei qualitativer hochwertiger reproduktiver Gesundheitsversorgung, beim Zugang zu Verhütungsmitteln, bei HIV/AIDS-Prävention und -Versorgung oder bei medizinisch korrekter Sexualerziehung. Das bedeutet den Zugang zu legalen, stigmatisierungsfreien und vor allem sicheren Schwangerschaftsabbrüchen, die rezeptfreie Pille danach und die Bereitstellung von Verhütungsmitteln für alle Menschen, unabhängig von der Größe ihres Geldbeutels, egal wo sie wohnen, herkommen oder welchen Bildungsstand sie haben.

 

CARE-ARBEIT

Alle Menschen müssen genügend Zeit, Freiräume und finanzielle Möglichkeiten haben, um im Bedarfsfall für Kinder, Angehörige oder Freund*innen zu sorgen. Gleichzeitig darf niemand aufgrund von familiären, geschlechtsbezogenen oder sozialen Zuschreibungen genötigt werden, Care-Arbeit für andere zu übernehmen. Care-Arbeit so zu organisieren, dass die Freiheit, Selbstbestimmung und Würde aller Beteiligten jederzeit gewahrt bleibt, ist unsere gemeinsame Verantwortung. Care-Berufe leisten verantwortungsvolle Arbeit und dürfen weder prekär noch schlecht bezahlt sein.

 

RECHTE VON LSBTIQA

Die Rechte von LSBTIQA (Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans* und inter* Menschen, Queers, Asexuellen) sind unumstößliche Menschenrechte. Es ist unsere Aufgabe, diese Rechte und die damit verbundenen Gesetze sowie die tatsächliche gesellschaftliche Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt weiter zu stärken, auszubauen und zu verteidigen. Die Einzigen, die Macht über unsere Körper haben sollten, sind wir selbst. Wir wollen selbst entscheiden, wer wir sind, frei von Geschlechternormen, gesellschaftlichen Zwängen, Erwartungen und Stereotypen.

 

ARBEITNEHMER*INNENRECHTE

Wir wollen ein Wirtschaftssystem, das durch Transparenz, Verbindlichkeit, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit getragen wird. Für gleichwertige Arbeit muss gleicher Lohn bezahlt werden. Wir setzen uns ein für eine flächendeckende, qualitativ hochwertige und bezahlbare Kinderbetreuung, Krankenversicherungen für alle Menschen und ein gesundes Arbeitsumfeld. Um für angemessene Löhne und gute Arbeitsbedingungen kämpfen zu können, brauchen alle Arbeitnehmer*innen das Recht auf Selbstorganisation. Niemand darf wegen des ausgeübten Berufs stigmatisiert werden. Die soziale Absicherung von Menschen darf nicht allein von Erwerbsarbeit abhängen. Alle Menschen, auch die ohne Erwerbsarbeitsplatz, haben ein Recht auf materielles Auskommen in Würde und auf gesellschaftliche Teilhabe.

 

BÜRGER*INNENRECHTE

Wir wollen, dass alle Menschen die hier leben, Bürger*innenrechte innehaben, einschließlich des Rechts zu wählen. Alle Menschen sollen ohne Angst vor Diskriminierung und Verfolgung leben, das Recht auf Meinungsfreiheit haben und auf den Schutz des Staates vertrauen können. Sie sollen das Recht haben, einen Glauben auszuüben oder nicht. Das alles unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter, wen man liebt, ob mit oder ohne Behinderung. Es ist an der Zeit, vollständige Gleichstellung in Deutschland zu verwirklichen sowie Antidiskriminierung und Gendermainstreaming überall gesetzlich zu verankern und umzusetzen.  

 

RECHTE VON MENSCHEN MIT BEHINDERUNG

Wir streiten dafür, dass wir unsere Gesellschaft gemeinsam und inklusiv voranbringen. Wir kämpfen für gesellschaftliche Teilhabe für alle, für Gleichberechtigung, Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderung, Barrierefreiheit und selbstverständliche Inklusion im Alltag und in politischen Entscheidungen. Wir stehen für eine Gesellschaft ein, in der menschliche Vielfalt als Stärke verstanden wird.

 

RECHTE VON EINWANDER*INNEN

Das Ein- und Auswandern von Menschen gehört zu Deutschland und hat uns geprägt und vorangebracht. In einem Europa der offenen Grenzen und einer globalisierten Welt, wo verschiedene Krisen, Umweltzerstörung und Kriege Menschen zur Flucht zwingen, gehören freiwillige Migration und erzwungene Flucht zu unserer Lebensrealität. Wir glauben, dass das Recht auf Asyl unangefochten gelten muss, dass Migration eine Wahlentscheidung und keine Notwendigkeit sein sollte. Jeder Mensch soll willkommen sein, egal welcher Herkunft oder Religion. Kein Mensch ist illegal.

 

UMWELTSCHUTZ

Jeder Mensch hat das Recht auf sauberes (Trink-)Wasser und saubere Luft. Wir müssen unsere Umwelt und unser Klima schützen und dafür sorgen, dass unsere natürlichen Ressourcen nicht für ökonomische Profitmaximierung ausgebeutet werden. Sie müssen geschützt werden, insbesondere in Hinblick auf knappe Ressourcen, gerechte Verteilung, öffentliche Sicherheit und unsere Gesundheit. Diese Welt ist für uns alle da, wir müssen sorgsam mit ihr umgehen.